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Die Bekehrung des Saulus

01.10.2016 Text und Grafik Bernd Buerschaper (ev.)

Lesedauer ca. 6 Minuten


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Die Bekehrung des Saulus

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Stephanus Steinigung

Jenen der ersten Christen krümmte sich das Herz vor Schmerz, als sie hörten, dass Stephanus, dieser Diener Gottes, Freund Jesu und gesegnet durch die Gaben des Heiligen Geistes, zu Tode gesteinigt wurde. Wie vorher Jesus selbst, wurde er vor den Hohenpriestern wegen Gotteslästerung angeklagt. Wie vorher Jesus selbst, verteidigte er sich voll des Heiligen Geistes vor dem hohen Rat. Wie vorher bei Jesus hielten sich die Schriftgelehrten, Hohenpriester und Pharisäer die Ohren zu, weil sie in ihrer Verstocktheit nicht erkennen wollten. So zogen sie hinaus vor die Tore der Stadt, der Verurteilte Stephanus, die Zeugen, die wider ihm waren, bereit das Urteil der Steinigung zu vollstrecken und Saulus, der Aufseher über allem. Die Zeugen zogen ihre Kleider aus und legten sie zu Füßen des Saulus. Dann nahmen sie die Steine auf und warfen sie unter lautem Getöse auf den gesegneten Stephanus. Jedesmal wenn ein Stein den Körper des Stephanus traf, schien die vom Geschrei der Steinewerfer und der gleisenden Sonne flirrende Luft still zu stehen. Die dumpfen Schläge auf den Körper des Stephanus betäubten die Luft, und die Steine schrien stumm vor Verzweiflung. Stephanus aber blickte in den Himmel, der sich für ihn schon geöffnetet hatte. Laut schrie er: "Vergib ihnen ihre Schuld" und er verschied. Saulus, der stumme Aufseher, begriff nichts. Er beobachtete das Geschehen mit Wohlwollen und verließ hernach den Ort der Schande. Er selbst hatte keinen Stein geworfen.

Wer war dieser Saulus? Saulus entstammte einer Pharisäerfamilie. Er wurde erzogen mit dem Glauben an den einen großen Gott JHWH. Für diesen Gott lebte und stritt er. Um diesen Gott die Ehre zu geben verfolgte er die Christen. Sie, die Christen, die in Jesus, den Gotteslästerer ihren Anführer sahen, waren Saulus' Feindbild. Ihnen stellte er sich mit Verfolgung und Drangsal entgegen. In dieser Passion erbat sich Saulus vom hohen Rat in Jerusalem weitere Vollmachten, um die Christen auch in Damaskus aufspüren, aufgreifen und gefesselt zum Gericht nach Jerusalem überstellen zu können. Er erhielt die Vollmacht. Und Saulus machte sich zusammen mit seinen Mitstreitern auf den Weg nach Damaskus.

Was Saulus zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte. Der Weg nach Damaskus wird sein Leben in zwei Hälften teilen, ein davor und ein danach.

Auf der Reise aber begab es sich, als er sich der Stadt Damaskus näherte, daß ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Und als er zur Erde fiel, hörte er eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sagte: Wer bist du, Herr? Der aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel auszuschlagen!

Apostelgeschichte 9, Vers 3-5

Die Wegstrecke von Jerusalem nach Damaskus beträgt etwa 200 km. Saulus und seine Männer waren bereits seit zwei Tagen unterwegs. Zwei Tage in gleißender Sonne, mit Lufttemperatur um die 40°C, auf staubigen, trockenen Wegen. Es war kein Spaziergang für Saulus und seine Männer. Aber die Aufgabe, die vor Saulus lag, war Motivation genug, nämlich Schluß zu machen mit dem Christenspuk.

Doch plötzlich, der wolkenlose, blass-blau-türkis gefärbte Himmel schien sich einen Spalt zu öffnen. Ein helles, gleißendes Licht fiel auf Saulus Gesicht. Wie vom Blitz getroffen stützte er auf den staubigen Boden, unfähig auch nur die kleinste Bewegung seiner Gliedmaßen vollführen zu können. In diese völlige Hilflosigkeit hinein ertönt eine Stimme, die nur an Saulus gerichtet ist. Aber alle Umstehenden können sie hören. Die Stimme nennt seinen Namen gleich zweimal:

"Saul, Saul, was verfolgst du mich?"

Und der Saul, der streng gläubige Jude, der noch nicht versteht was hier vor sich geht, fragt nach:

"Wer bist du?".

"Jesus, den du verfolgst."

lautet die Antwort.

Es fallen nur wenige Worte in dem Gespräch. Aber alles ist gesagt. Jetzt weiß Saulus was seine Stunde geschlagen hat. Das Phantom Jesus, das er gejagt hat, hat sich ihm spektakulär, auf lebendigste Art und Weise offenbart. Alle Umstehenden konnten es mithören.

Die Männer hoben den blinden Saulus auf und mussten ihn, wie einen gebrechlichen, blinden Greis den Rest des Weges nach Damaskus führen.

Alles was danach kommt ist schnell erzählt. Der Glauben an seinen Gott Jehova erfährt durch das Bekenntnis zu Jesus eine entscheidende Erweiterung. Die Christengemeinde, die er einst verfolgte, hilft ihm dabei und macht ihn mit Jesu Lehren vertraut. Die Christen erzählen Saulus alles, was sie mit Jesus erlebt haben. Saulus hört ihnen zu, fragt auch viel, bekommt Antworten auf seine Fragen und glaubt. Möglicherweise aus strategischen Gründen ändert Saulus seinen Namen. Er gibt sich den hellenischen Namen Paulus. Er wird ein Apostel und damit selbst zu einem Verfolgten des christlichen Glaubens. Paulus bereist unermüdlich viele Länder im Mittelmeerraum, um den Menschen von dem neuen Glauben an Jesus, den Sohn seines großen Gottes Jehova, zu erzählen. Wollte er in seinem alten Leben die christliche Gemeinde zerstreuen, so setzt er sich jetzt unablässig für deren Erhalt und vor allem Einheit ein.

Das neue Leben des Paulus gäbe Stoff für viele weitere Betrachtungen. Viel spannender aber ist die Frage, weshalb Jesus ausgerechnet den Christenverfolger Saulus angesprochen hat, um ihn zur Verbreitung seiner Botschaft an die Menschen zu gewinnen. Hatte Saulus nicht erst vor kurzem "Wohlwollend" der Steinigung des Stephanus zugesehen?

Jesus - Personaldienstleister in eigener Sache

Die junge Christengemeinde, die sich nach Jesu Auferstehung gebildet hat, ist in Not. Sie wird überall verfolgt, vor allem durch die Vertreter der strengen jüdische Glaubenslehre. Die hat in Saulus einen willigen, ehrgeizigen Vertreter in vorderster Reihe. Jesus sieht das. Und Jesus erkennt auch an anderer Stelle Ungemach für die junge Christengemeinde, nämlich Anfänge von Zerstrittenheit und Zersplitterung. Jesus braucht Einen, der den Christen Mut macht, sie führt und leitet und neue Menschen für den christlichen Glauben gewinnt. Die Personalanforderungen sind erheblich. Hier ein Auszug, was erwartet wird:

Seelsorgerischer Dienst für die jungen Christengemeinde

Verbreitung des christlichen Glaubens in anderen Ländern

Christliche Überzeugungsarbeit unter den Juden

Vermittler und Versöhner von Juden und Heiden

Unbeirrbar und fest im Glauben an Gott Jehova und Jesus

von Vorteil: Römisches Bürgerrecht

24 Stunden Dienst an allen Tagen

... und das wird geboten:

Direkter Unterstellter der "Geschäftsleitung"

Mit allen Vollmachten der "Geschäftsleitung" ausgestattet

Nach dem Tode ein ewiges Leben an einem besonderen Platz im Himmel

Wer ist geeignet? Gibt es überhaupt jemand, der diesen Aufgabenbereich ausfüllen kann, ausfüllen will?

Wir wissen es bereits. Jesus weiß, dass die Stellenbeschreibung perfekt auf Saulus passt. Nur mit dem christlichen Glauben hapert es gewaltig. Wie jeder gute Personaldienstleister spricht Jesus Saulus direkt an. Zugegeben, auf ungewöhnliche Art. Aber Jesus war sich offensichtlich bewusst, dass es genau dieser Art der Ansprache bedurfte, um Saulus für sich einzunehmen. Jetzt musste Saulus nur noch wollen. Er erhielt drei Tage Bedenkzeit. Zur Erinnerung war er mit Blindheit beschlagen. Saulus nutzte die drei Tage Bedenkzeit zu einem völligen inneren Wandel. Jesu wenige Worte hatten sein Herz erobert. Ja, diesen Jesus, an den die Christen glauben gibt es tatsächlich. Ich kann es nicht mehr leugnen oder ignorieren, mag sich Saulus gedacht haben. Und Saulus, der perfekte Kenner der alten Schrift, des jüdischen Tanach, eröffneten sich unbekannte Seiten der Schrift, die seinen Augen bisher verschlossen blieben, in denen die Propheten auf Jesus, den Messias mehr als deutlich hinwiesen. Ja, diesen Jesus gibt es wirklich. Das hat Saulus nun erkannt.

Mit dem selben Eifer, mit dem er Jesus bisher bekämpfte, diente er fortan Jesus. Bis zu seinem Tode stellte er sich völlig in den Dienst gemäß der Stellenausschreibung. Seine strenge jüdische Erziehung in einer Pharisäerfamilie machte ihn zum perfekten Vermittler zwischen Juden und Christen. Und das römische Bürgerrecht, das Saulus von Geburt an inne hatte, war ihn in seinem missionarischen Wirken innerhalb des damals herrschenden römischen Reiches von Nutzen.

So offenbarte sich in Saulus das göttliche Wirken an Menschen, die sich von Jesus inspirieren und leiten lassen wollen. Wir selbst sollen uns fragen, wie und wo wir Jesus auf die Art dienen können, die uns möglich ist. Keiner kennt unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten besser als Jesus.